Wenn wir den Begriff Wissen hören, denken wir normalerweise an etwas Positives: daran, dass wir Zusammenhänge verstehen oder neue Informationen erhalten. Außerdem gehen wir davon aus, dass Wissen wahr ist, also auf Tatsachen beruht. Allerdings war und ist dies nicht immer der Fall.

Was ist koloniales „Wissen“

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Prof. Dr. Louis Henri Seukwa über die Auswirkungen kolonialen Wissens

Dafür ist die Kolonialherrschaft ein gutes Beispiel. Sie war eng mit verschiedenen Wissenschaften verknüpft. Die Geografie setzte sich beispielsweise ganz konkret das Ziel, zur kolonialen Aneignung von Land beizutragen. Das hatte wiederum zur Folge, dass diese Wissenschaft, die noch recht neu war, bekannter wurde und eine Rechtfertigung für ihre Existenz hatte. Ähnlich war dies bei der Ethnologie.

Hinzu kam, dass zur Rechtfertigung des Kolonialismus „Wissen“ hergestellt wurde, das gar kein Wissen war, weil es auf Unwahrheiten beruhte. Das war besonders in der sogenannten „Rassenlehre“ der Fall. Damit wollten die Forscher:innen beweisen, dass weiße Menschen anderen überlegen seien. Diese falsche Behauptung bestimmte ihre gesamten Forschungen. Sie erfanden hierfür verschiedene „Entwicklungsstufen“ und behaupteten, dass weiße Menschen am weitesten „entwickelt“ seien. Die Grundlage von kolonialem „Wissen“ ist also ein rassistisches Menschenbild, das Menschen in unterschiedliche Kategorien aufteilt.

Auch andere Fächer, die sich mit den Kolonien befassten, gingen von der angeblichen Überlegenheit weißer Europäer:innen aus. Sie sahen die Kolonien daher nur als Gebiete, die Europa nutzen sollten, ohne Rücksicht auf die Menschen vor Ort. So rechtfertigten sie Beherrschung und Ausbeutung. Selbst wissenschaftliche Texte aus der Zeit müssen deshalb mit Skepsis gelesen werden.

Darum setzen wir den Begriff „Wissen“ in diesem Zusammenhang in Anführungszeichen, weil es sich bei kolonialem „Wissen“ oft schlicht um unwahre Behauptungen handelt. Trotzdem wurde gerade dieses falsche „Wissen“ oft in den Schulen vermittelt.

Impressum & Danksagungen

Diese Ausstellung ging aus dem Pro*Niedersachsen-Projekt „Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken“ (2024-2025) hervor, welches gemeinsam von der Gottfried Leibniz Bibliothek Hannover (GWLB) und dem Arbeitsbereich Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover (LUH) durchgeführt wurde.

Antragstellung: Anne May (GWLB), Prof. Dr. Brigitte Reinwald (LUH), Dr. Florian Dirks (Kreisarchiv Verden), OStD Johannes Habekost (Gymnasium Ernestinum)

Projektleitung GWLB: Dr. Matthias Wehry, Dr. Christoph Valentin
Projektbeteiligte GWLB: Tillman Hennies
Projektleitung LUH: Dr. Jana Otto

Inhaltliche Gestaltung

Kuration der Ausstellung: Dr. Jana Otto (LUH)
Ausstellungstexte: Dr. Jana Otto (LUH)
Unterstützung des Lektorats: Jonas Döbler, Viola Michelle Stallzus (Studierende der LUH)
Expert:innen: Brenda Davina (wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ der Landes-hauptstadt Hannover), Ndey Bassine Jammeh-Siegel (Trainerin für Rassismuskritik und Empowerment und kinderliterarische Aktivistin, AfroKids Germany), Suraj Mailitafi (Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung), Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Beteiligte Archive und Bibliotheken: Kreisarchiv Verden, Niedersächsisches Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade, Stadtarchiv Celle, Stadtbibliothek Hameln
Beteiligte Schulen: Domgymnasium Verden, Gymnasium Ernestinum Celle

Ergebnisse des Projektseminars „Weltwissen als Schulwissen. Kolonialismus im historischen Schulunterricht“ (WiSe 2024/25) gingen in die Ausstellung ein. An dem Seminar waren die folgenden Studierenden beteiligt: Michail Aleksandrov, Elske Sofie Düsenberg, Jule Eschenbach, Nico Frehse, Kristina Bärbel Korte, Christoph Mitulla, Lea-Marie Pagenkopf, Daniel Rott, Merlin Aimé Schulle, Robin Frederik Tammen, Michael Weihtag, Patricia Paloma Zeitz

Technische Umsetzung

Grafik, Gestaltung und Umsetzung: Thomas Konradi (Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds)

Videoproduktion: TIB ConRec, https://www.tib.eu/de/services/tib-conrec

  Aufnahme: Tobias Reimer, Sirish Uterhark

  Postproduktion: Jens Kösters

Finanzielle Förderung:

Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, Förderlinie: Pro* Niedersachen: Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen, Förderzeitraum: 01.01.2024-30.11.2025.


Wir bedanken uns bei allen Beteiligten herzliche für ihren Beitrag zur Ausstellung.

Bei Anfragen, Wünschen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an: handschriften@gwlb.de