Wenn wir den Begriff Wissen hören, denken wir normalerweise an etwas Positives: daran, dass wir Zusammenhänge verstehen oder neue Informationen erhalten. Außerdem gehen wir davon aus, dass Wissen wahr ist, also auf Tatsachen beruht. Allerdings war und ist dies nicht immer der Fall.
Was ist koloniales „Wissen“
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Dafür ist die Kolonialherrschaft ein gutes Beispiel. Sie war eng mit verschiedenen Wissenschaften verknüpft. Die Geografie setzte sich beispielsweise ganz konkret das Ziel, zur kolonialen Aneignung von Land beizutragen. Das hatte wiederum zur Folge, dass diese Wissenschaft, die noch recht neu war, bekannter wurde und eine Rechtfertigung für ihre Existenz hatte. Ähnlich war dies bei der Ethnologie.
Hinzu kam, dass zur Rechtfertigung des Kolonialismus „Wissen“ hergestellt wurde, das gar kein Wissen war, weil es auf Unwahrheiten beruhte. Das war besonders in der sogenannten „Rassenlehre“ der Fall. Damit wollten die Forscher:innen beweisen, dass weiße Menschen anderen überlegen seien. Diese falsche Behauptung bestimmte ihre gesamten Forschungen. Sie erfanden hierfür verschiedene „Entwicklungsstufen“ und behaupteten, dass weiße Menschen am weitesten „entwickelt“ seien. Die Grundlage von kolonialem „Wissen“ ist also ein rassistisches Menschenbild, das Menschen in unterschiedliche Kategorien aufteilt.
Auch andere Fächer, die sich mit den Kolonien befassten, gingen von der angeblichen Überlegenheit weißer Europäer:innen aus. Sie sahen die Kolonien daher nur als Gebiete, die Europa nutzen sollten, ohne Rücksicht auf die Menschen vor Ort. So rechtfertigten sie Beherrschung und Ausbeutung. Selbst wissenschaftliche Texte aus der Zeit müssen deshalb mit Skepsis gelesen werden.