Im Laufe der Zeit veränderte sich die Behandlung kolonialer Themen im Unterricht. Das hat sich in den vorherigen Teilen der Ausstellung schon angedeutet. Welche unterschiedlichen Phasen gab es dabei? Und was führte jeweils zu den Veränderungen?
Was änderte sich im Laufe der Zeit?
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Im späten 19. Jahrhundert wurden die Kolonien vor allem im Erdkundeunterricht thematisiert. Geografielehrer, das waren zum damaligen Zeitpunkt nur Männer, versuchten, bei den Schüler:innen eine koloniale Haltung zu erzeugen. Die Kinder und Jugendlichen sollten sich als Teil einer Nation von Kolonisator:innen verstehen. Teil dessen waren rassistische Erzählungen darüber, dass Menschen angeblich unterschiedlichen „Rassen“ angehörten. In den 1890er Jahren verschob sich der Fokus im Unterricht: Nun ging es mehr um die deutschen Kolonien und weniger um Kolonialismus im Allgemein.
Eine deutlich größere Veränderung erfolgte wenige Jahre später. Zwischen 1900 und 1908 führte das Deutsche Reich mehrere größere militärische Feldzüge und Kolonialkriege: Den sogenannten Boxerkrieg in China (1900/1901), den Krieg gegen die Ovaherero und Nama im heutigen Namibia (1904-1908) und den Maji-Maji-Krieg (1905-1907) im heutigen Tansania. Dies führte dazu, dass sich die Menschen in Deutschland mehr mit der Kolonialpolitik befassten. Nachdem es zunächst deutliche Kritik an den Kriegen gegeben hatte, änderte sich die Stimmung im Land nach dem Wahlkampf von 1906/1907. Immer mehr Menschen befürworteten eine gewalttätige Kolonialpolitik ausdrücklich.
Die Stimmung im Land wurde aggressiver nationalistisch. Koloniale Themen nahmen daraufhin im Schulunterricht einen deutlich größeren Raum ein. Und sie wurden nicht nur in den Erdkunde- oder Geschichtsunterricht eingebunden, sondern auch in andere Fächer, wie Mathematik. Der nationalistische Trend wirkte sich also auf den Unterricht aus. Während die koloniale Gewalt in Schulbüchern kaum erwähnt wurde, enthielten andere Unterrichtsmaterialien deutlich häufiger Darstellungen von Gewalttaten. Rassistische Bilder nahmen sowohl in Lehrbüchern als auch in anderen Materialien zu. Das gewalttätige Vorgehen in den Kolonien sollte damit normalisiert werden. Diese Entwicklung verstärkte sich noch einmal kurz vor dem Ersten Weltkrieg.
Unter nationalsozialistischer Herrschaft griff der Staat auf ganz ähnliche Mittel zurück, damit Schulen koloniale Themen aufgriffen: staatliche Anordnungen, Schulbücher und Unterrichtsmaterialien sowie die Öffnung der Schulen für Kolonialverbände. Im Unterschied zur Weimarer Republik gab es aber unter den Bedingungen des Faschismus keine öffentliche Kritik mehr daran. Außerdem sorgte die Regierung dafür, dass auch bei der Behandlung kolonialer Themen immer wieder auf die „Volksgemeinschaft“ eingegangen wurde. Bereits vorher vorhandene rassistische Darstellungen wurden dementsprechend verändert. Insgesamt erhielten rassistische Bezüge noch mehr Raum.
Nach dem Ersten Weltkrieg forderten Kolonialverbände lautstark, dass Deutschland wieder zur Kolonialmacht werden sollte. Die staatlichen Stellen unterstützten diese Forderung zum Teil, vor allem aber öffneten sie die Schulen für die Propaganda und Aktivitäten der Kolonialverbände. An den Schulen konnten die Verbände Veranstaltungen durchführen, eigene Gruppen gründen und Jugendliche für ihre Ideen gewinnen. Trotzdem blieb Kolonialpolitik in der Weimarer Republik ein umstrittenes Thema.