Staatliche Maßnahmen
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Im 19. Jahrhundert griffen Ministerien und Schulbehörden zwar die Initiativen der Geografielehrer auf, sodass sich das Fach Geografie und seine kolonialen Bezüge nach und nach in den Lehrplänen wiederfanden. Auch andere Fächern, wie Geschichte oder Deutsch, thematisierten Kolonialismus gelegentlich. Koloniale Bezüge im Unterricht herzustellen, hatte für die staatlichen Stellen aber zunächst keine besondere Bedeutung. Das änderte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Damals führte das Deutsche Reich mehrere brutale Kolonialkriege: den Krieg gegen die Ovaherero und Nama in Deutsch-Südwestafrika und den Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika. Die Kriege wirkten sich auch auf die Diskussion der Kolonialherrschaft in der deutschen Öffentlichkeit aus. Im Reichstag zerstritten sich die deutschen Parteien an der Frage, ob weitere Gelder für den Krieg gegen die Ovaherero und Nama bewilligt werden sollten. Die SPD und die katholische Partei Zentrum hatten den Kolonialkrieg kritisiert und weigerten sich, weitere Gelder dafür bereitzustellen. Daraufhin löste Reichskanzler von Bülow im Jahr 1906 das Parlament auf und es kam im folgenden Jahr zu Neuwahlen. Der Wahlkampf drehte sich vor allem um Fragen der Kolonialpolitik. Konservative und rechte Parteien setzten im Wahlkampf auf rassistische und antisozialistische Diffamierungen. Das führte letztlich dazu, dass nationalistische und rassistische Haltungen in der Bevölkerung zunahmen.
1930 empfahl das Provinzialschulkollegium Hannover einen pro-kolonialen Film für den Schulunterricht.
Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv Osnabrück, NLA OS Rep 728 Akz. 28/1997 Nr. 1039
Die Auseinandersetzungen wirkten sich auch auf den Schulunterricht aus: Die Kultur- und Bildungsminister der meisten Bundesstaaten forderten die Schulen auf, mehr koloniale Bezüge in den Unterricht aufzunehmen. Spätestens 1914 waren koloniale Themen im Schulunterricht weit verbreitet. Fünf Jahre später bestärkte das Reichsinnenministerium diesen Trend noch einmal, indem es anordnete, dass Lehrer:innen im Unterricht für deutsche Kolonien werben sollten. In den späten 1920er Jahren unterstützte das Auswärtige Amt die Propaganda der Deutschen Kolonialgesellschaft an Schulen schließlich auch finanziell.
Dennoch blieb die Behandlung kolonialer Themen im Schulunterricht uneinheitlich, insbesondere in der Weimarer Republik. Das lag zum einen daran, dass Schulpolitik Ländersache war, zum anderen an den unterschiedlichen Haltungen der Lehrer:innen. Während einige von ihnen koloniale Themen begeistert aufgriffen, sahen andere die Kolonialpolitik eher skeptisch. Insbesondere in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren gingen die Haltungen zur Kolonialpropaganda auseinander, sowohl in der Politik als auch unter den Lehrer:innen. Es gab mehrfach neue Anordnungen: Mal sollten koloniale Themen unterrichtet werden, mal nicht. Solche unterschiedlichen Entscheidungen folgten schnell aufeinander. In der gleichen Zeit nahm die Zustimmung der Lehrer:innen zum Kolonialunterricht zwischenzeitig ab.
Das nationalsozialistische Regime führte im Wesentlichen die Maßnahmen aus der Weimarer Republik weiter. Obwohl die Kolonialpolitik der Nazis teilweise widersprüchlich war und sich vor allem immer wieder änderte, blieb die Haltung zur Behandlung des Kolonialismus in der Schule bis in die frühen 1940er Jahre hinein weitgehend unverändert: Schulen wurden aufgefordert, koloniale Themen im Unterricht zu behandeln und dabei insbesondere auf den deutschen Anteil hinzuweisen. Ab 1939 war es sogar verboten, die deutschen Kolonien als „frühere“ oder „ehemalige“ Kolonien zu bezeichnen. Außerdem unterstützte die NS-Regierung weiterhin Kolonialverbände und Veranstaltungen an Schulen, in denen gefordert wurde, dass Deutschland wieder Kolonien besitzen sollte.