Schwarze Schüler:innen in der Weimarer Republik und im NS
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Als im frühen 20. Jahrhundert Kolonialthemen in den Schulen besprochen wurden, besuchten also auch Schwarze deutsche Kinder den Unterricht. Was dachten sie wohl, wenn Lehrer:innen die deutsche Kolonialherrschaft positiv darstellten? Überzeugten sie diese Erzählungen? Oder hatten sie durch ihre Familien eine ganz andere Sicht auf die Kolonien und die Kolonialherrschaft? Leider gibt es auch hier kaum Quellen, die Antworten auf diese Fragen geben könnten.
Einige Schwarze Deutsche, die während der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus groß wurden, schrieben später ihre Lebenserinnerungen auf. Ihre Erzählungen zeigen, dass für sie in der Regel andere Erfahrungen aus ihrer Schulzeit im Vordergrund standen. Theodor Wonja Michael, Gert Schramm und Marie Nejar berichten alle, dass sie stolz waren, als sie in die Schule kamen. Sie erinnern sich an ihre Schultüten und an das aufregende Gefühl, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Koloniale Themen im Unterricht erwähnen sie nicht. Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht wurde Kolonialismus in ihren Schulen oder Klassenstufen tatsächlich nicht im Unterricht behandelt – immerhin war die praktische Unterrichtsgestaltung nicht immer einheitlich. Vielleicht erinnerten sie sich Jahrzehnte später nicht mehr an die entsprechenden Schulstunden. Oder vielleicht kam es sogar in einzelnen Fällen vor, dass die Lehrer:innen sich mit rassistischen Darstellungen eher zurückhielten, wenn ein Schwarzes Kind in der Klasse war. Marie Nejar berichtet vom „stotternden Versuch“ ihrer Klassenlehrerin, „die Rassengesetze der Nationalsozialisten zu erklären. Später erfuhr ich, dass sie diese ungeschönt im Unterricht vermittelte, […] wenn ich in der Schule fehlte.“