Der Kolonialismus führte nicht nur dazu, dass Deutsche in die Kolonien gingen, wo sie als Soldaten, Beamte oder Siedler:innen lebten. Er hatte auch zur Folge, dass Menschen aus den Kolonien nach Deutschland zogen. Zwischen 1884 und 1945 lebten mehrere tausend Menschen mit afrikanischer Herkunft in Deutschland. Die meisten von ihnen waren Männer. Sie kamen nach Deutschland, um eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung zu machen oder einem Beruf nachzugehen. Oft gehörten sie einflussreichen und vermögenden afrikanischen Familien an. Die Mehrheit stammte aus Kamerun. Während des Kaiserreichs und der Weimarer Republik heirateten einige von ihnen deutsche Frauen und gründeten eigene Familien.

Schwarze Schüler:innen in der Weimarer Republik und im NS

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Ndey Bassine Jammeh-Siegel zur Situation Schwarzer Schüler:innen heute

Als im frühen 20. Jahrhundert Kolonialthemen in den Schulen besprochen wurden, besuchten also auch Schwarze deutsche Kinder den Unterricht. Was dachten sie wohl, wenn Lehrer:innen die deutsche Kolonialherrschaft positiv darstellten? Überzeugten sie diese Erzählungen? Oder hatten sie durch ihre Familien eine ganz andere Sicht auf die Kolonien und die Kolonialherrschaft? Leider gibt es auch hier kaum Quellen, die Antworten auf diese Fragen geben könnten.

Einige Schwarze Deutsche, die während der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus groß wurden, schrieben später ihre Lebenserinnerungen auf. Ihre Erzählungen zeigen, dass für sie in der Regel andere Erfahrungen aus ihrer Schulzeit im Vordergrund standen. Theodor Wonja Michael, Gert Schramm und Marie Nejar berichten alle, dass sie stolz waren, als sie in die Schule kamen. Sie erinnern sich an ihre Schultüten und an das aufregende Gefühl, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Koloniale Themen im Unterricht erwähnen sie nicht. Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht wurde Kolonialismus in ihren Schulen oder Klassenstufen tatsächlich nicht im Unterricht behandelt – immerhin war die praktische Unterrichtsgestaltung nicht immer einheitlich. Vielleicht erinnerten sie sich Jahrzehnte später nicht mehr an die entsprechenden Schulstunden. Oder vielleicht kam es sogar in einzelnen Fällen vor, dass die Lehrer:innen sich mit rassistischen Darstellungen eher zurückhielten, wenn ein Schwarzes Kind in der Klasse war. Marie Nejar berichtet vom „stotternden Versuch“ ihrer Klassenlehrerin, „die Rassengesetze der Nationalsozialisten zu erklären. Später erfuhr ich, dass sie diese ungeschönt im Unterricht vermittelte, […] wenn ich in der Schule fehlte.“

Impressum & Danksagungen

Diese Ausstellung ging aus dem Pro*Niedersachsen-Projekt „Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken“ (2024-2025) hervor, welches gemeinsam von der Gottfried Leibniz Bibliothek Hannover (GWLB) und dem Arbeitsbereich Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover (LUH) durchgeführt wurde.

Antragstellung: Anne May (GWLB), Prof. Dr. Brigitte Reinwald (LUH), Dr. Florian Dirks (Kreisarchiv Verden), OStD Johannes Habekost (Gymnasium Ernestinum)

Projektleitung GWLB: Dr. Matthias Wehry, Dr. Christoph Valentin
Projektbeteiligte GWLB: Tillman Hennies
Projektleitung LUH: Dr. Jana Otto

Inhaltliche Gestaltung

Kuration der Ausstellung: Dr. Jana Otto (LUH)
Ausstellungstexte: Dr. Jana Otto (LUH)
Unterstützung des Lektorats: Jonas Döbler, Viola Michelle Stallzus (Studierende der LUH)
Expert:innen: Brenda Davina (wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ der Landes-hauptstadt Hannover), Ndey Bassine Jammeh-Siegel (Trainerin für Rassismuskritik und Empowerment und kinderliterarische Aktivistin, AfroKids Germany), Suraj Mailitafi (Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung), Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Beteiligte Archive und Bibliotheken: Kreisarchiv Verden, Niedersächsisches Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade, Stadtarchiv Celle, Stadtbibliothek Hameln
Beteiligte Schulen: Domgymnasium Verden, Gymnasium Ernestinum Celle

Ergebnisse des Projektseminars „Weltwissen als Schulwissen. Kolonialismus im historischen Schulunterricht“ (WiSe 2024/25) gingen in die Ausstellung ein. An dem Seminar waren die folgenden Studierenden beteiligt: Michail Aleksandrov, Elske Sofie Düsenberg, Jule Eschenbach, Nico Frehse, Kristina Bärbel Korte, Christoph Mitulla, Lea-Marie Pagenkopf, Daniel Rott, Merlin Aimé Schulle, Robin Frederik Tammen, Michael Weihtag, Patricia Paloma Zeitz

Technische Umsetzung

Grafik, Gestaltung und Umsetzung: Thomas Konradi (Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds)

Videoproduktion: TIB ConRec, https://www.tib.eu/de/services/tib-conrec

  Aufnahme: Tobias Reimer, Sirish Uterhark

  Postproduktion: Jens Kösters

Finanzielle Förderung:

Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, Förderlinie: Pro* Niedersachen: Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen, Förderzeitraum: 01.01.2024-30.11.2025.


Wir bedanken uns bei allen Beteiligten herzliche für ihren Beitrag zur Ausstellung.

Bei Anfragen, Wünschen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an: handschriften@gwlb.de