Schulwandbilder
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Im späten 19. Jahrhundert begannen Schulen damit, immer häufiger Bilder zu nutzen. Vorher bestanden Schulbücher fast ausschließlich aus Text. Und auch im Unterricht selbst wurden nur wenige Illustrationen verwendet. Das änderte sich, als Pädagog:innen versuchten, den Unterricht anschaulicher zu gestalten. Spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden mehr bildliche Darstellungen im Unterricht gezeigt. Eine sehr verbreitete Form waren Schulwandbilder. Dabei handelte es sich um sehr große Bilder, die während der Unterrichtsstunden an der Wand hingen. Insbesondere an den Volksschulen, der damals häufigsten Schulform, wurden Wandbilder regelmäßig genutzt. Sie sollten den Kindern und Jugendlichen auf einen Blick wichtige Zusammenhänge verständlich machen und eine Vorstellung von der Welt vermitteln. Häufig erläuterte eine kurze Bildunterschrift oder ein Begleitheft, was auf der Abbildung zu sehen war.
Zahlreiche Wandbilder stellen Menschen, Landschaften, Regionen oder Rohstoffe der Kolonien dar. Auf den ersten Blick könnten die gezeigten Bilder fast harmlos wirken. Sie veranschaulichen jedoch eine bestimmte Erzählung von der deutschen Kolonialherrschaft, die bereits in Schulbüchern und Broschüren verbreitet worden war. Interessant ist, was die Bilder zeigen und was sie nicht zeigen. Ein sehr häufiges Motiv sind Landschaftsszenen, in denen Menschen gar nicht zu sehen sind oder aber, in denen sie im Einklang mit der Natur leben. In diesen Darstellungen erscheinen die Bewohner:innen der Kolonien als angeblich besonders naturverbunden. Gleichzeitig wirken sie, als hätten sie nur wenig mit der modernen Welt zu tun.
Das Gegenbild dazu sind Darstellungen von Neuerungen in den Kolonien: vom Eisenbahnbau, modernen Städten, Plantagen oder modernen Städten. All diese Veränderungen scheinen von weißen Europäer:innen geschaffen worden zu sein. Damit erzeugen die Bilder einen Gegensatz zwischen den angeblich traditionellen, naturverbundenen Bewohner:innen der Kolonien und den vermeintlich modernen, technisch fortschrittlichen Europäer:innen. Im Schulunterricht illustrierten die Wandbilder also das kolonial-rassistische Weltbild. Mit der Behauptung, dass es ohne europäischen Einfluss keine gesellschaftlichen Veränderungen und keinen „Fortschritt“ gäbe, rechtfertigten die Kolonialmächte damals ihre Herrschaft. Gewalt und Ausbeutung, die in den Kolonien alltäglich waren, zeigen die Bilder hingegen nie.