Bilder sind besonders gut geeignet, um Vorstellungen von der Welt oder auch von Zusammenhängen zu vermitteln. Ein Bild, das wir eine Weile betrachtet haben, bleibt meist noch für lange Zeit in unserer Erinnerung und beeinflusst oft auch, wie wir uns ähnliche Themen vorstellen.

Schulwandbilder

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Im späten 19. Jahrhundert begannen Schulen damit, immer häufiger Bilder zu nutzen. Vorher bestanden Schulbücher fast ausschließlich aus Text. Und auch im Unterricht selbst wurden nur wenige Illustrationen verwendet. Das änderte sich, als Pädagog:innen versuchten, den Unterricht anschaulicher zu gestalten. Spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert wurden mehr bildliche Darstellungen im Unterricht gezeigt. Eine sehr verbreitete Form waren Schulwandbilder. Dabei handelte es sich um sehr große Bilder, die während der Unterrichtsstunden an der Wand hingen. Insbesondere an den Volksschulen, der damals häufigsten Schulform, wurden Wandbilder regelmäßig genutzt. Sie sollten den Kindern und Jugendlichen auf einen Blick wichtige Zusammenhänge verständlich machen und eine Vorstellung von der Welt vermitteln. Häufig erläuterte eine kurze Bildunterschrift oder ein Begleitheft, was auf der Abbildung zu sehen war.

Prof. Dr. Louis Henri Seukwa über Schulwandbilder als Träger kolonialen „Wissens“
Ndey Bassine Jammeh-Siegel über die Inhalte von und den Umgang mit Schulwandbildern

Zahlreiche Wandbilder stellen Menschen, Landschaften, Regionen oder Rohstoffe der Kolonien dar. Auf den ersten Blick könnten die gezeigten Bilder fast harmlos wirken. Sie veranschaulichen jedoch eine bestimmte Erzählung von der deutschen Kolonialherrschaft, die bereits in Schulbüchern und Broschüren verbreitet worden war. Interessant ist, was die Bilder zeigen und was sie nicht zeigen. Ein sehr häufiges Motiv sind Landschaftsszenen, in denen Menschen gar nicht zu sehen sind oder aber, in denen sie im Einklang mit der Natur leben. In diesen Darstellungen erscheinen die Bewohner:innen der Kolonien als angeblich besonders naturverbunden. Gleichzeitig wirken sie, als hätten sie nur wenig mit der modernen Welt zu tun.

Das Gegenbild dazu sind Darstellungen von Neuerungen in den Kolonien: vom Eisenbahnbau, modernen Städten, Plantagen oder modernen Städten. All diese Veränderungen scheinen von weißen Europäer:innen geschaffen worden zu sein. Damit erzeugen die Bilder einen Gegensatz zwischen den angeblich traditionellen, naturverbundenen Bewohner:innen der Kolonien und den vermeintlich modernen, technisch fortschrittlichen Europäer:innen. Im Schulunterricht illustrierten die Wandbilder also das kolonial-rassistische Weltbild. Mit der Behauptung, dass es ohne europäischen Einfluss keine gesellschaftlichen Veränderungen und keinen „Fortschritt“ gäbe, rechtfertigten die Kolonialmächte damals ihre Herrschaft. Gewalt und Ausbeutung, die in den Kolonien alltäglich waren, zeigen die Bilder hingegen nie.

Impressum & Danksagungen

Diese Ausstellung ging aus dem Pro*Niedersachsen-Projekt „Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken“ (2024-2025) hervor, welches gemeinsam von der Gottfried Leibniz Bibliothek Hannover (GWLB) und dem Arbeitsbereich Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover (LUH) durchgeführt wurde.

Antragstellung: Anne May (GWLB), Prof. Dr. Brigitte Reinwald (LUH), Dr. Florian Dirks (Kreisarchiv Verden), OStD Johannes Habekost (Gymnasium Ernestinum)

Projektleitung GWLB: Dr. Matthias Wehry, Dr. Christoph Valentin
Projektbeteiligte GWLB: Tillman Hennies
Projektleitung LUH: Dr. Jana Otto

Inhaltliche Gestaltung

Kuration der Ausstellung: Dr. Jana Otto (LUH)
Ausstellungstexte: Dr. Jana Otto (LUH)
Unterstützung des Lektorats: Jonas Döbler, Viola Michelle Stallzus (Studierende der LUH)
Expert:innen: Brenda Davina (wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ der Landes-hauptstadt Hannover), Ndey Bassine Jammeh-Siegel (Trainerin für Rassismuskritik und Empowerment und kinderliterarische Aktivistin, AfroKids Germany), Suraj Mailitafi (Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung), Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Beteiligte Archive und Bibliotheken: Kreisarchiv Verden, Niedersächsisches Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade, Stadtarchiv Celle, Stadtbibliothek Hameln
Beteiligte Schulen: Domgymnasium Verden, Gymnasium Ernestinum Celle

Ergebnisse des Projektseminars „Weltwissen als Schulwissen. Kolonialismus im historischen Schulunterricht“ (WiSe 2024/25) gingen in die Ausstellung ein. An dem Seminar waren die folgenden Studierenden beteiligt: Michail Aleksandrov, Elske Sofie Düsenberg, Jule Eschenbach, Nico Frehse, Kristina Bärbel Korte, Christoph Mitulla, Lea-Marie Pagenkopf, Daniel Rott, Merlin Aimé Schulle, Robin Frederik Tammen, Michael Weihtag, Patricia Paloma Zeitz

Technische Umsetzung

Grafik, Gestaltung und Umsetzung: Thomas Konradi (Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds)

Videoproduktion: TIB ConRec, https://www.tib.eu/de/services/tib-conrec

  Aufnahme: Tobias Reimer, Sirish Uterhark

  Postproduktion: Jens Kösters

Finanzielle Förderung:

Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, Förderlinie: Pro* Niedersachen: Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen, Förderzeitraum: 01.01.2024-30.11.2025.


Wir bedanken uns bei allen Beteiligten herzliche für ihren Beitrag zur Ausstellung.

Bei Anfragen, Wünschen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an: handschriften@gwlb.de