Der Name Anton Wilhelm Amo war lange Zeit fast in Vergessenheit geraten. Dabei war der Philosoph zu seinen Lebzeiten durchaus bekannt. Und er war wahrscheinlich ein früher Kritiker von Versklavung und kolonialem „Wissen“.

Kritiker kolonialen „Wissens“: Anton Wilhelm Amo

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Anton Wilhelm Amo wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in der westafrikanischen Hafenstadt Axim geboren, die heute zu Ghana gehört. Damals war Axim ein wichtiger Ort für den internationalen Handel, auch für den Handel mit versklavten Menschen. Als Amo noch ein kleines Kind war, kam er mit dem Schiff eines kolonialen Handelsunternehmens in die Niederlande, wahrscheinlich wurde er verschleppt. Von Amsterdam aus kam er an den Hof des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel. Forscher:innen gehen davon aus, dass Amo dem Herzog „geschenkt“ worden war. An europäischen Höfen lebten damals häufig Afrikaner:innen, da die Adligen damit ihre Macht und ihre Verbindungen in die Welt unterstreichen wollten. Seine Vornamen „Anton“ und „Wilhelm“ erhielt Amo erst, als er im Jahr 1707 am Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel getauft wurde. Er wurde nach dem Herzog und dessen Sohn benannt.
Brenda Davina zur Biografie Amos und seiner Bedeutung als Philosoph

Als Amo erwachsen war, studierte er in Halle und in Wittenberg. Damit war er wahrscheinlich der erste Afrikaner, der in Deutschland studierte. Amo erhielt 1734 einen Doktortitel im Fach Philosophie. Er unterrichtete als Hochschullehrer an verschiedenen deutschen Universitäten. Schon 1729 hatte er einen wichtigen wissenschaftlichen Vortrag gehalten, in dem er sich mit den Rechten Schwarzer Menschen in Europa befasste. Leider ist dieser Vortrag nicht mehr erhalten. Aus einem Bericht, der damals in einer Zeitung erschien, lässt sich aber schließen, dass Amo darin für die Rechte Schwarzer Menschen in Europa eintrat. Es ist gut möglich, dass er auch die Versklavung von Afrikaner:innen kritisierte.

In jedem Fall wies Anton Wilhelm Amo selbstbewusst auf seine afrikanische Herkunft hin: Als er erwachsen war, ergänzte er seine europäischen Vornamen um den Namen „Amo“. Auf die Titelblätter seiner Veröffentlichungen nahm er außerdem einen Hinweis auf seine westafrikanische Herkunft auf. Das war ein klares Statement in einer Zeit, als die meisten weißen Philosophen behaupteten, dass Schwarze Menschen nicht in der Lage seien, philosophisch zu denken. Mit seinem Eintreten für die Rechte Schwarzer Menschen und seinem Auftreten als afrikanischer Philosoph kann Anton Wilhelm Amo als früher Kritiker kolonialen „Wissens“ angesehen werden.

Im Jahr 1747 kehrte Amo übrigens wieder nach Axim zurück. Er starb dort wenige Jahre später. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Impressum & Danksagungen

Diese Ausstellung ging aus dem Pro*Niedersachsen-Projekt „Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken“ (2024-2025) hervor, welches gemeinsam von der Gottfried Leibniz Bibliothek Hannover (GWLB) und dem Arbeitsbereich Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover (LUH) durchgeführt wurde.

Antragstellung: Anne May (GWLB), Prof. Dr. Brigitte Reinwald (LUH), Dr. Florian Dirks (Kreisarchiv Verden), OStD Johannes Habekost (Gymnasium Ernestinum)

Projektleitung GWLB: Dr. Matthias Wehry, Dr. Christoph Valentin
Projektbeteiligte GWLB: Tillman Hennies
Projektleitung LUH: Dr. Jana Otto

Inhaltliche Gestaltung

Kuration der Ausstellung: Dr. Jana Otto (LUH)
Ausstellungstexte: Dr. Jana Otto (LUH)
Unterstützung des Lektorats: Jonas Döbler, Viola Michelle Stallzus (Studierende der LUH)
Expert:innen: Brenda Davina (wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ der Landes-hauptstadt Hannover), Ndey Bassine Jammeh-Siegel (Trainerin für Rassismuskritik und Empowerment und kinderliterarische Aktivistin, AfroKids Germany), Suraj Mailitafi (Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung), Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Beteiligte Archive und Bibliotheken: Kreisarchiv Verden, Niedersächsisches Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade, Stadtarchiv Celle, Stadtbibliothek Hameln
Beteiligte Schulen: Domgymnasium Verden, Gymnasium Ernestinum Celle

Ergebnisse des Projektseminars „Weltwissen als Schulwissen. Kolonialismus im historischen Schulunterricht“ (WiSe 2024/25) gingen in die Ausstellung ein. An dem Seminar waren die folgenden Studierenden beteiligt: Michail Aleksandrov, Elske Sofie Düsenberg, Jule Eschenbach, Nico Frehse, Kristina Bärbel Korte, Christoph Mitulla, Lea-Marie Pagenkopf, Daniel Rott, Merlin Aimé Schulle, Robin Frederik Tammen, Michael Weihtag, Patricia Paloma Zeitz

Technische Umsetzung

Grafik, Gestaltung und Umsetzung: Thomas Konradi (Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds)

Videoproduktion: TIB ConRec, https://www.tib.eu/de/services/tib-conrec

  Aufnahme: Tobias Reimer, Sirish Uterhark

  Postproduktion: Jens Kösters

Finanzielle Förderung:

Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, Förderlinie: Pro* Niedersachen: Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen, Förderzeitraum: 01.01.2024-30.11.2025.


Wir bedanken uns bei allen Beteiligten herzliche für ihren Beitrag zur Ausstellung.

Bei Anfragen, Wünschen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an: handschriften@gwlb.de