Kritiker kolonialen „Wissens“: Anton Wilhelm Amo
Scroll
Als Amo erwachsen war, studierte er in Halle und in Wittenberg. Damit war er wahrscheinlich der erste Afrikaner, der in Deutschland studierte. Amo erhielt 1734 einen Doktortitel im Fach Philosophie. Er unterrichtete als Hochschullehrer an verschiedenen deutschen Universitäten. Schon 1729 hatte er einen wichtigen wissenschaftlichen Vortrag gehalten, in dem er sich mit den Rechten Schwarzer Menschen in Europa befasste. Leider ist dieser Vortrag nicht mehr erhalten. Aus einem Bericht, der damals in einer Zeitung erschien, lässt sich aber schließen, dass Amo darin für die Rechte Schwarzer Menschen in Europa eintrat. Es ist gut möglich, dass er auch die Versklavung von Afrikaner:innen kritisierte.
In jedem Fall wies Anton Wilhelm Amo selbstbewusst auf seine afrikanische Herkunft hin: Als er erwachsen war, ergänzte er seine europäischen Vornamen um den Namen „Amo“. Auf die Titelblätter seiner Veröffentlichungen nahm er außerdem einen Hinweis auf seine westafrikanische Herkunft auf. Das war ein klares Statement in einer Zeit, als die meisten weißen Philosophen behaupteten, dass Schwarze Menschen nicht in der Lage seien, philosophisch zu denken. Mit seinem Eintreten für die Rechte Schwarzer Menschen und seinem Auftreten als afrikanischer Philosoph kann Anton Wilhelm Amo als früher Kritiker kolonialen „Wissens“ angesehen werden.