Einfluss von Kolonialverbänden auf den Schulunterricht
Schon in den 1870er und 1880er Jahren gründeten sich in Deutschland verschiedene Kolonialgesellschaften. Sie hatten es sich zum Ziel gesetzt, koloniale Aneignungen zu unterstützen, unter anderem mithilfe von Kolonialpropaganda. Aber erst ab der Jahrhundertwende versuchten diese Organisationen, auch auf den Schulunterricht Einfluss zu nehmen. Zu dieser Zeit wuchs das öffentliche Interesse an den Kolonien. Dazu trugen mehrere Entwicklungen bei: zum Beispiel die Kolonialausstellung 1896 in Berlin und mehrere Kolonialkriege. Dadurch bekamen koloniale Themen größere Bedeutung im Unterricht.
Kolonialverbände
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Kolonialverbände sahen diese Entwicklungen als Chance für mehr Einflussnahme und begannen, Unterrichtsmaterialien an Schulen zu senden. Zunächst geschah dies nur auf Anfragen der Schulen hin. Erst war dieses Vorgehen innerhalb der Verbände noch umstritten, schließlich setzten sich aber die Befürworter:innen durch. Ab 1909 versandte der wichtigste Kolonialverband, die Deutsche Kolonialgesellschaft (DKG), in großem Umfang Materialien an Schulen. Durch Vorträge und andere Veranstaltungen versuchten die Kolonialverbände auch, Lehrer:innen von ihrer Sache zu überzeugen.
Ein weiterer Wendepunkt kam nach dem Ersten Weltkrieg. Die Tatsache, dass Deutschland als Kriegsverlierer seine Kolonien abtreten musste, führte dazu, dass die Kolonialverbände in Deutschland mehr Zulauf erhielten. Der sogenannte Kolonialrevisionismus, die Forderung nach der erneuten Eroberungen der ehemaligen Kolonien, war weit verbreitet. Die Kolonialverbände verstärkten in der Weimarer Republik die Einflussnahme auf den Schulunterricht. Sie versandten nicht mehr nur pro-koloniale Materialen, organisierten Vorträge, Gedenkfeiern und Schulgruppen, sondern sie versuchten Kolonialpropaganda fest im Unterricht zu verankern. Hierfür bauten sie gezielt Kontakte zu den zuständigen Ministerien und Landesregierungen auf. Schon im Jahr 1919 erreichten sie, dass das Reichsinnenministerium die Schulen anwies, im Unterricht für deutsche Kolonien zu werben. Ob die Lehrer:innen dies auch taten, ist kaum nachzuvollziehen. Außerdem setzte die DKG durch, dass die ehemaligen deutschen Kolonien in Atlanten, Karten und Schulbüchern weiterhin als deutsche Gebiete gekennzeichnet waren. Den Schüler:innen wurde damit ein Bild vermittelt, das längst nicht mehr der Realität entsprach.
Insgesamt blieb die Frage der Kolonialpropaganda an Schulen während der Weimarer Republik umstritten und führte zu regelmäßigen Auseinandersetzungen. So konnten pazifistische und antikoloniale Organisationen erreichen, dass die preußische Regierung Kolonialpropaganda im Unterricht im Jahr 1930 verbot. Schulbücher mit kolonialverherrlichenden Inhalten wurden teilweise dennoch weiter genutzt. Und keine zwei Jahre später nahm die Regierung dieses Verbot wieder zurück.