Das Beispiel von Anton Wilhelm Amo zeigt, dass es schon vor etwa dreihundert Jahren Menschen gab, die koloniales „Wissen“ kritisierten. Heutzutage fordern viele Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen eine kritische Beschäftigung mit der Kolonialvergangenheit. Sie weisen darauf hin, dass unsere Welt heute immer noch von Strukturen geprägt ist, die während des Kolonialismus entstanden sind. Und sie zeigen, dass die Art und Weise, wie wir denken und uns die Welt erklären, ebenfalls von kolonialen Vorstellungen beeinflusst ist.
Koloniales „Wissen“ verlernen: Dekoloniale Ansätze
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Koloniales Denken findet sich heute noch in unterschiedlichen Bereichen. Es beruht auf der Vorstellung von zweigeteilten Gegensätzen (wie „Moderne/Tradition“, „christlich/heidnisch“ oder „entwickelt/unterentwickelt“) und auf der Annahme einer weißen oder europäischen Überlegenheit. Das zeigt sich beispielsweise, wenn in der Entwicklungspolitik wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Europa Afrika überlegen sei, wenn weiße Schönheitsvorstellungen als normal erscheinen und nicht-weiße als merkwürdig oder wenn europäische Kreationen als Kunstwerke eingeordnet werden, afrikanische aber nur als Kunsthandwerk.
Kritiker:innen fordern daher eine Dekolonisierung. Damit meinen sie zum einen, dass die Strukturen verändert werden müssen, die während des Kolonialismus entstanden sind und die noch heute außereuropäische Staaten benachteiligen. Zum anderen möchten sie zu einem Denken beitragen, dass außereuropäische Vorstellungen nicht abwertet. Sie sprechen deshalb davon, dass wir das koloniale Denken wieder „verlernen“ müssen. Dabei ist es wichtig, sich selbst und die Vorstellungen, die man für selbstverständlich hält, zu hinterfragen.
Brenda Davina zur Frage: Was heißt es koloniales Wissen zu „verlernen“?
Links zu dekolonialen Initiativen und praktischen Beispielen findest Du im Bereich „Anregungen und Materialsammlung“.