Das Beispiel von Anton Wilhelm Amo zeigt, dass es schon vor etwa dreihundert Jahren Menschen gab, die koloniales „Wissen“ kritisierten. Heutzutage fordern viele Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen eine kritische Beschäftigung mit der Kolonialvergangenheit. Sie weisen darauf hin, dass unsere Welt heute immer noch von Strukturen geprägt ist, die während des Kolonialismus entstanden sind. Und sie zeigen, dass die Art und Weise, wie wir denken und uns die Welt erklären, ebenfalls von kolonialen Vorstellungen beeinflusst ist.

Koloniales „Wissen“ verlernen: Dekoloniale Ansätze

Aktivistin beim „Umbenennungsfest“ 2015 in Berlin
Aktivistin beim „Umbenennungsfest“ 2015 in Berlin

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Koloniales Denken findet sich heute noch in unterschiedlichen Bereichen. Es beruht auf der Vorstellung von zweigeteilten Gegensätzen (wie „Moderne/Tradition“, „christlich/heidnisch“ oder „entwickelt/unterentwickelt“) und auf der Annahme einer weißen oder europäischen Überlegenheit. Das zeigt sich beispielsweise, wenn in der Entwicklungspolitik wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass Europa Afrika überlegen sei, wenn weiße Schönheitsvorstellungen als normal erscheinen und nicht-weiße als merkwürdig oder wenn europäische Kreationen als Kunstwerke eingeordnet werden, afrikanische aber nur als Kunsthandwerk.
Kritiker:innen fordern daher eine Dekolonisierung. Damit meinen sie zum einen, dass die Strukturen verändert werden müssen, die während des Kolonialismus entstanden sind und die noch heute außereuropäische Staaten benachteiligen. Zum anderen möchten sie zu einem Denken beitragen, dass außereuropäische Vorstellungen nicht abwertet. Sie sprechen deshalb davon, dass wir das koloniale Denken wieder „verlernen“ müssen. Dabei ist es wichtig, sich selbst und die Vorstellungen, die man für selbstverständlich hält, zu hinterfragen.
Brenda Davina zur Frage: Was heißt es koloniales Wissen zu „verlernen“?

Links zu dekolonialen Initiativen und praktischen Beispielen findest Du im Bereich „Anregungen und Materialsammlung“.

Impressum & Danksagungen

Diese Ausstellung ging aus dem Pro*Niedersachsen-Projekt „Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken“ (2024-2025) hervor, welches gemeinsam von der Gottfried Leibniz Bibliothek Hannover (GWLB) und dem Arbeitsbereich Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover (LUH) durchgeführt wurde.

Antragstellung: Anne May (GWLB), Prof. Dr. Brigitte Reinwald (LUH), Dr. Florian Dirks (Kreisarchiv Verden), OStD Johannes Habekost (Gymnasium Ernestinum)

Projektleitung GWLB: Dr. Matthias Wehry, Dr. Christoph Valentin
Projektbeteiligte GWLB: Tillman Hennies
Projektleitung LUH: Dr. Jana Otto

Inhaltliche Gestaltung

Kuration der Ausstellung: Dr. Jana Otto (LUH)
Ausstellungstexte: Dr. Jana Otto (LUH)
Unterstützung des Lektorats: Jonas Döbler, Viola Michelle Stallzus (Studierende der LUH)
Expert:innen: Brenda Davina (wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ der Landes-hauptstadt Hannover), Ndey Bassine Jammeh-Siegel (Trainerin für Rassismuskritik und Empowerment und kinderliterarische Aktivistin, AfroKids Germany), Suraj Mailitafi (Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung), Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Beteiligte Archive und Bibliotheken: Kreisarchiv Verden, Niedersächsisches Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade, Stadtarchiv Celle, Stadtbibliothek Hameln
Beteiligte Schulen: Domgymnasium Verden, Gymnasium Ernestinum Celle

Ergebnisse des Projektseminars „Weltwissen als Schulwissen. Kolonialismus im historischen Schulunterricht“ (WiSe 2024/25) gingen in die Ausstellung ein. An dem Seminar waren die folgenden Studierenden beteiligt: Michail Aleksandrov, Elske Sofie Düsenberg, Jule Eschenbach, Nico Frehse, Kristina Bärbel Korte, Christoph Mitulla, Lea-Marie Pagenkopf, Daniel Rott, Merlin Aimé Schulle, Robin Frederik Tammen, Michael Weihtag, Patricia Paloma Zeitz

Technische Umsetzung

Grafik, Gestaltung und Umsetzung: Thomas Konradi (Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds)

Videoproduktion: TIB ConRec, https://www.tib.eu/de/services/tib-conrec

  Aufnahme: Tobias Reimer, Sirish Uterhark

  Postproduktion: Jens Kösters

Finanzielle Förderung:

Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, Förderlinie: Pro* Niedersachen: Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen, Förderzeitraum: 01.01.2024-30.11.2025.


Wir bedanken uns bei allen Beteiligten herzliche für ihren Beitrag zur Ausstellung.

Bei Anfragen, Wünschen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an: handschriften@gwlb.de