Habt ihr schon einmal den Ausdruck „koloniale Kontinuitäten“ gehört? Damit bezeichnet man Folgen des Kolonialismus, die bis in die Gegenwart reichen. Tatsächlich gibt es viele solcher langfristigen Auswirkungen. Das liegt daran, dass Strukturen und Denkweisen aus der Kolonialzeit bis heute weiterbestehen.
Koloniale Kontinuitäten
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In Namibia raubten die deutsche Kolonialregierung und die deutschen Siedler:innen während der Kolonialzeit beispielsweise einen Großteil des fruchtbaren Farmlandes. Sie gaben dieses nie an die einheimische Bevölkerung zurück. Noch heute sind etwa 70 Prozent des Ackerlandes im Besitz von weißen, meist deutschstämmigen, Farmer:innen. Dabei sind weniger als fünf Prozent der namibischen Bevölkerung weiß. Die ungleiche Landverteilung ist eine der Ursachen für die starke soziale Ungleichheit in Namibia.
Auch die Bedingungen, unter denen Länder miteinander Handel treiben, sind während des Kolonialismus entstanden und haben sich seitdem nur wenig verändert. Die ehemaligen Kolonialstaaten produzieren in erster Linie Agrarprodukte und Rohstoffe für den Export, während die Weiterverarbeitung dieser Produkte in Europa oder den USA stattfindet. Da verarbeitete Produkte teurer sind als unverarbeitete, machen bei dieser Aufteilung vor allem Europa und die USA wirtschaftlichen Gewinn. Durch Zölle und andere Maßnahmen verhindern sie, dass sich diese internationale Aufteilung ändert. Man spricht dabei von ungleichem Handel.
Ein anderes wichtiges Beispiel für koloniale Kontinuitäten ist Rassismus. Die Behauptung, es gäbe unterschiedliche „Rassen“, diente dazu, koloniale Aneignung und Ausbeutung zu rechtfertigen. Wie die Ausstellung gezeigt hat, verbreiteten sich während der Kolonialzeit rassistische Weltbilder und Strukturen immer weiter. Bis heute sind sie weit verbreitet und beeinflussen oft unsere Vorstellung von der Welt – selbst dann, wenn wir das gar nicht wollen. Deshalb regen dekoloniale Initiativen dazu an, koloniales „Wissen“ zu verlernen. Das heißt, sich selbst zu hinterfragen: Welche meiner Vorstellungen und Verhaltensweisen gehen auf koloniale Strukturen zurück? Darüber könnt ihr euch auch mit Freund:innen austauschen.
Im Unterricht könnt ihr ebenfalls gemeinsam über koloniale Kontinuitäten sprechen. Die folgenden Fragen können ein Ausgangspunkt sein: Wie sind eigentlich unsere Schulbücher geschrieben? Welche Vorstellungen von der Welt vermitteln sie? Erfahren wir darin etwas über afrikanische oder asiatische Gesellschaften vor der Kolonialisierung? Wo könnten wir etwas darüber herausfinden? Wen könnten wir dazu befragen? Welche weiteren Auswirkungen hat der Kolonialismus gehabt? Welche Organisationen oder politischen Bewegungen in den ehemaligen Kolonien kritisieren koloniale Kontinuitäten? Was sind ihre Forderungen?
Hier findet ihr weitere Anregungen und Material.