Neben den Schulbüchern existierten andere Unterrichtsmaterialien, die ebenfalls koloniale Themen in den Unterricht bringen sollten. Mit diesem Ziel erstellten auch Kolonialverbände Broschüren, die sich an Jugendliche richteten, und verteilten diese in den Schulen. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist die Broschüre „Deutsche Jugend und Deutsche Kolonien“, herausgegeben vom Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG). Die Broschüre wurde erstmals 1932 veröffentlicht, bestand aber überwiegend aus älteren Texten. 1934 wurde sie neu aufgelegt. Man kann also davon ausgehen, dass sie auch während der NS-Zeit im Unterricht verwendet wurde. Daran zeigt sich, dass Erzählungen über die deutsche Kolonialherrschaft häufig sehr langlebig waren.
Broschüren
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Die Broschüre ist ein Paradebeispiel für den Kolonialrevisionismus, also für die Rückforderung der ehemaligen deutschen Kolonien. Nachdem Deutschland seine Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg abtreten musste, verbreiteten Verbände wie die DKG diese Forderung und richteten sich damit gezielt an die Jugend. Dass die Broschüre darauf abzielte, Jugendliche vom Kolonialrevisionismus zu überzeugen, zeigt sich schon am Untertitel: „Was unsere Jugend über die deutsche Arbeit in unseren Kolonien wissen muß“. Die Länder, die schon längst nicht mehr unter deutscher Herrschaft standen, werden hier immer noch als „unsere Kolonien“ bezeichnet.
Bei den Kindern und Jugendlichen sollte so die Sehnsucht nach einem Ort voller Abenteuer geweckt werden, an dem sie als Weiße stets eine gute Stellung besäßen. Dieser Ort, so versprach die Broschüre, ließe sich durch neue Kolonien schaffen.
Die in der Broschüre versammelten Texte erzählen emotional vom „Verlust“ der Kolonien. Dabei werden alle ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika einzeln vorgestellt. Ein Aufsatz bezieht sich auf die ehemaligen Kolonien im Pazifik. Die Art und Weise, wie die Texte geschrieben sind, erinnert an Jugendromane oder Kurzgeschichten. Sie stellen die persönlichen Erlebnisse der jeweiligen Hauptfiguren in den Mittelpunkt und berichten von deren „Abenteuern“. Dabei schildern sie die deutsche Kolonialzeit in den rosigsten Farben. Durch das gesamte Heft zieht sich eine gemeinsame Erzählung: Die Deutschen hätten wunderschöne Kolonien besessen, die weitestgehend menschenleer gewesen seien, dafür aber viele landwirtschaftliche Möglichkeiten geboten hätten. Mithilfe harter Arbeit sei es den deutschen Siedler:innen gelungen, ein Paradies zu schaffen. Das Verhältnis zu den Menschen vor Ort schildern die Geschichten ebenfalls. In allen Erzählungen erscheinen Afrikaner:innen als Menschen, die den Deutschen grundsätzlich unterlegen seien und diese untergeordnete Rolle nie hinterfragten. Damit erzeugen diese Geschichten ein Bild von einem Herrschaftsverhältnis, das als selbstverständlich erscheinen sollte. Die Tatsache, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg die Kolonien abtreten musste, wird als Fehlentscheidung der anderen europäischen Staaten dargestellt.