In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beteiligten sich viele europäische Staaten an kolonialen Eroberungen in Afrika und Asien, darunter auch das Deutsche Reich. Die koloniale Herrschaft veränderte die betroffenen Gesellschaften und Staaten außerhalb Europas grundlegend. Gleichzeitig fanden koloniale Bezüge Eingang in die deutsche Kultur und Politik. Das Deutsche Reich verstand sich nun als imperialer Staat und vermittelte koloniales Denken an seine Bürger:innen. Damit sollte das eigene Vorgehen im Ausland gerechtfertigt werden. Koloniale Themen und Bezüge fanden sich in unterschiedlichen Bereichen: zum Beispiel in der Literatur, bei der Spielwarenproduktion und im Schaugewerbe. Auch im Schulunterricht wurden koloniale Aspekte zunehmend thematisiert.
Diese Ausstellung zeigt, welche Rolle koloniale Themen im historischen Schulunterricht spielten, welche Vorstellungen dabei vermittelt werden sollten und wie sich die Art der Vermittlung im Laufe der Jahrzehnte veränderte. Darüber hinaus fragt sie danach, welche Bedeutung die koloniale Vergangenheit noch heute hat und gibt Anregungen für eine aktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Ausstellung richtet sich in erster Linie an Schüler:innen, aber auch Lehrer:innen und andere Interessierte finden hier Hintergrundwissen und praktische Impulse.
Die Ausstellung ist eine gemeinsame Produktion der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und des Arbeitsbereichs Geschichte Afrikas, Historisches Seminar, der Leibniz Universität Hannover (LUH). Die Kuration lag bei Dr. Jana Otto. Die Ausstellung ging aus dem Projekt Weltwissen als Schulwissen. Geographische Wissensbestände des Kolonialismus in niedersächsischen Schulbibliotheken hervor, das der Arbeitsbereich Geschichte Afrikas am Historischen Seminar der LUH und die GWLB gemeinsam mit dem Domgymnasium Verden, dem Gymnasium Ernestinum Celle und dem Schiller-Gymnasium Hameln durchgeführt haben. Eine wesentliche Grundlage der Ausstellung bilden zudem Recherchen im Kreisarchiv Verden, im Niedersächsischen Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade sowie im Stadtarchiv Celle.
Unerlässliche Beiträge lieferten darüber hinaus Brenda Davina, Ndey Bassine Jammeh-Siegel, Suraj Mailitafi und Prof. Dr. Louis Henri Seukwa.
Das Projekt Weltwissen als Schulwissen wurde im Rahmen der Förderlinie Pro*Niedersachsen des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) finanziell gefördert.
Antragstellung: Anne May (GWLB), Prof. Dr. Brigitte Reinwald (LUH), Dr. Florian Dirks (Kreisarchiv Verden), OStD Johannes Habekost (Gymnasium Ernestinum)
Projektleitung GWLB: Dr. Matthias Wehry, Dr. Christoph Valentin
Projektbeteiligte GWLB: Tillman Hennies
Projektleitung LUH: Dr. Jana Otto
Kuration der Ausstellung: Dr. Jana Otto (LUH)
Ausstellungstexte: Dr. Jana Otto (LUH)
Unterstützung des Lektorats: Jonas Döbler, Viola Michelle Stallzus (Studierende der LUH)
Expert:innen: Brenda Davina (wissenschaftliche Koordinatorin „Koloniales Erbe“ der Landes-hauptstadt Hannover), Ndey Bassine Jammeh-Siegel (Trainerin für Rassismuskritik und Empowerment und kinderliterarische Aktivistin, AfroKids Germany), Suraj Mailitafi (Content Creator und Multiplikator für anti-rassistische und politische Bildung), Prof. Dr. Louis Henri Seukwa (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Beteiligte Archive und Bibliotheken: Kreisarchiv Verden, Niedersächsisches Landesarchiv an den Standorten Aurich, Hannover, Osnabrück und Stade, Stadtarchiv Celle, Stadtbibliothek Hameln
Beteiligte Schulen: Domgymnasium Verden, Gymnasium Ernestinum Celle
Ergebnisse des Projektseminars „Weltwissen als Schulwissen. Kolonialismus im historischen Schulunterricht“ (WiSe 2024/25) gingen in die Ausstellung ein. An dem Seminar waren die folgenden Studierenden beteiligt: Michail Aleksandrov, Elske Sofie Düsenberg, Jule Eschenbach, Nico Frehse, Kristina Bärbel Korte, Christoph Mitulla, Lea-Marie Pagenkopf, Daniel Rott, Merlin Aimé Schulle, Robin Frederik Tammen, Michael Weihtag, Patricia Paloma Zeitz
Grafik, Gestaltung und Umsetzung: Thomas Konradi (Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds)
Videoproduktion: TIB ConRec, https://www.tib.eu/de/services/tib-conrec
Aufnahme: Tobias Reimer, Sirish Uterhark
Postproduktion: Jens Kösters
Ministerium für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen, Förderlinie: Pro* Niedersachen: Kulturelles Erbe – Forschung und Vermittlung in ganz Niedersachsen, Förderzeitraum: 01.01.2024-30.11.2025.
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten herzliche für ihren Beitrag zur Ausstellung.
Bei Anfragen, Wünschen und Beschwerden wenden Sie sich bitte an: handschriften@gwlb.de